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Extraordinaire! Unbekannte Werke aus psychiatrischen Einrichtungen in der Schweiz um 1900

11. Oktober 2018 bis 20. Januar 2019

Das künstlerische Schaffen von Anstaltsinsassen um 1900 stößt zunehmend auf öffentliches Interesse, dabei ist bis heute nur ein kleiner Teil der damals entstandenen Werke gesichtet. In einem beispielhaften Projekt der Zürcher Hochschule der Künste wurden von 2006 bis 2014, gefördert durch den Schweizer Nationalfonds, die Sammlungen und Krankenakten von 18 kantonalen Anstalten aus der Zeit um 1900 nach Patientenwerken durchsucht. Eine Wanderausstellung zeigt nun eine Auswahl der neu entdeckten Werke und gibt Einblick in weitere Facetten eines ungewöhnlichen Kunstschaffens.

Die Patienten und Patientinnen schufen ihre Werke mit Hingabe und mit großer technischer sowie künstlerischer Kompetenz. Sie verstanden sie als Beitrag zum öffentlichen Leben, als Erfindung oder Ausdruck ihrer Gedanken, als Kritik an der Anstalt oder Bereicherung im eintönigen Alltag. Ihre Kunst ist von Aushandlungen darüber geprägt, was als „nicht normal“ galt und von ihrem Ausschluss aus der Öffentlichkeit.

Die Ausstellung ist anschließend vom 9. Februar bis 19. Mai 2019 im Kunstmuseum Thun und vom 8. Juni bis 18. August 2019 im LENTOS Kunstmuseum in Linz zu sehen. Es erscheint ein Katalog in d/e.

Bilder:

Lina Cécile Colliot Schafter (1867-1937), Objekt, Baumwollgarn gehäkelt, mit Bleistift beschriebenes Papier, 14 x 6,5 x 6 cm, undatiert, © Stiftung Psychiatrie-Museum Bern

Heinrich L. (1879-?), Zeichenheft mit 18 Seiten, Ölfarben auf Papier, Doppelseite 18,5 x 47 cm, undatiert, © StASH DJ 39/5427

Constance Schwartzlin-Berberat (1845-1911), «Cahier de cuisine de la Valdau. Termin[é] le 23 janvier», Heft III, 36 Seiten, Tinte auf festes Papier, mit Faden zusammengenäht, 37 x 23 cm, undatiert (um 1885-1904), © Stiftung Psychiatrie-Museum Bern