Preziose der Woche

Geldscheine von Else Blankenhorn

Die beidseitig bemalten Aquarelle mit hohen Ziffern in unserer Ausstellung sind Geldscheine einer ganz individuellen Währung. Sie wurden von Else Blankenhorn, einer wohlhabenden Privatpatientin des Sanatoriums Bellevue in Kreuzlingen am Bodensee geschaffen.

Else Blankenhorn (1873–1920)
Als höhere Tochter hatte sie am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ihrer Heimatstadt Karlsruhe regen Anteil. Sie liebte Musik, spielte Klavier, sang und war auf Ehe und Familie vorbereitet worden. Wegen eines Erschöpfungszustandes und nervöser Krisen begab sie sich zweimal in das Schweizer Sanatorium Bellevue. Sie musizierte, übersetzte und fotografierte, und 1908 begann sie mit Malen und Zeichnen und Sticken. In ihren Gemälden entwickelte sie einen farbintensiven Bildkosmos, sie zeichnete in Hefte, und stickte Bildteppiche. Die Sammlung Prinzhorn bewahrt eine große Sammlung ihres vielfältigen Werks.

Die „Kaiserin Else“ und ihre karitative Aufgabe
Else Blankenhorn verstand sich als Gattin „im Geiste“ von Wilhelm II. Dieser hatte ihr die karitative Aufgabe zugeteilt, die physische Ernährung aller beerdigten, aber nicht gestorbenen Ehepaare am Tag der Auferstehung zu finanzieren. Zu diesem Zweck produzierte sie Geldscheine – 96 davon haben sich in der Sammlung Prinzhorn erhalten. Die Geldnoten zeigen häufig ihr Selbstporträt, von engelhaften Wesen assistiert, und sind mit dem Siegel „Deutsches Reich“ legitimiert. Der immer wieder eingesetzte Doppelpunkt steht nach eigener Aussage für die geistige Einheit von Blankenhorn und Wilhelm II. Auf den ebenfalls bemalten Rückseiten der Blätter sind die Figuren von hinten zu sehen, womit deutlich wird, dass es sich um Papierobjekte handelt. Die Aufgabe überstieg Blankenhorns finanzielle Kräfte, so dass sie immer größere Summen bis zu mehrfachen Millionenwerten einsetzen musste: „Millionen x Milliarden“ und mit exotischen Münzwerte wie „Centuplonen“, „Quadruplonen“ oder „Seidublonen Mark“. Damit nahm sie die Unsummen vorweg, die nach dem Weltkrieg die Inflation hervorbrachte.

Tatsächlich litt die Familie Blankenhorn unter dem Wertverlust der Deutschen Reichsmark gegenüber dem Schweizer Franken, so dass die Patientin 1919 das Bellevue verlassen und in die badische Heilanstalt Reichenau übersiedeln musste. Hier starb sie 1920 an den Folgen einer Krebserkrankung.

Bilder:

Else Blankenhorn, „36000 MILLIARDEN MARK – KAISERIN ELSE – KAISER WILHELM“ (Geldschein), vor 1920, Tinte auf Briefpapier, Inv. Nr. 1892h © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg

Else Blankenhorn, „I. MILLIARDE. THALER“ (Geldschein), vor 1920, Tinte auf Briefpapier, Inv. Nr. 1891q © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg

Else Blankenhorn, „2000 MARK – MILLIARDEN UNENDLICH“ (Geldschein), vor 1920, Bleistift und Tinte auf Papier Inv.Nr. 1893d © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg

Else Blankenhorn, „2000 SEIDUBLONEN MARK“ (Geldschein), vor 1920, Tinte und Wasserfarbe auf Papier, Inv.Nr. 1893 © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg