Anlässlich des Internationalen Museumstages 2020

Auch Kunst trägt Maske: Der Mann ohne Schwerkraft von Josef Forster (1916-1921)

Heute stellen wir Ihnen anlässlich des Internationalen Museumstages (17. Mai 2020) einen Klassiker der Sammlung vor, der bald in unserer neuen Dauerausstellung zu sehen sein wird: Der „Mann ohne Schwerkraft“ des Tapezierers und Dekorationsmalers Josef Forster (1878–1949). Dieser „Luftgänger“ ist seit Eröffnung des Museums Sammlung Prinzhorn 2001 unser Logo. Über Mund und Nase hat er ein blaues Tuch gebunden. Damit erscheint das Bild, obwohl es zwischen 1916 und 1920 gemalt wurde, heute besonders aktuell. Aus Erläuterungen des Künstlers wissen wir, dass an seiner Figur tatsächlich zwei prekäre Körperöffnungen verschlossen werden sollen, allerdings nicht, weil sonst Viren aus- oder eintreten könnten, sondern weil die Unterbrechung des „Honig-Schleim-Ringes“ drohe, eines permanenten Stroms innerer Flüssigkeit, die mal als Sperma, mal als Rückenmarksflüssigkeit, mal als Nasenschleim bezeichnet werde. Bei Aufrechterhalten dieses ringförmigen Stroms werde man Meister in allen Künsten und so leicht, dass man „mit großer Geschwindigkeit durch die Luft gehen“ könne, wie die Aufschrift des Bildes verrät, allerdings nur, wenn man sich vorher „mit Gewicht beschwer[t]“ habe.

Die Darstellung wurde zum Logo der Sammlung, da sie sich auch als Allegorie auf die bildende Kunst selbst lesen lässt: Sie entsteht, wenn die freie Fantasie, die für sich allein zu entschweben droht, materiell geerdet wird. Und wenn wir am 27. Mai wieder unsere Türen aufmachen, dann nehmen Sie sich Josef Forster zum Vorbild und tragen auch Sie Maske.

Bild: Josef Forster, Selbstporträt [Luftgänger], 1916-1921, Inv.Nr. 4494 © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg