Das Collageband von Frau St. (um 1890)

Zu den ungewöhnlichsten Stücken der Sammlung Prinzhorn gehört ein 260 cm langes Collageband. Von seiner Schöpferin „Frau St.“ sind weder Lebensdaten noch biographische Details bekannt. Vermutlich gehörte sie der vermögenden Oberschicht an, denn sie war Patientin der privaten “Heilanstalt für Nerven- und Gemütskranke” in Wien-Oberdöbling. Der Leiter der Klinik schickte ihr Werk 1920 Hans Prinzhorn für die Heidelberger Sammlung mit der Angabe "Frau St., Dementia präcox?" zu.

Das Collageband ist hauptsächlich aus unbedruckten Marginalspalten von Zeitungen zusammengesetzt. Darauf malte und zeichnete Frau St. mit Bleistift, Buntstiften, Deckfarben und Tinte verschiedene Muster und klebte zudem kleine Bildlemente aus Zeitungen auf. Vieles wirkt wie Schriften, die aber nicht lesbar im herkömmlichen Sinne sind. Wegen seiner Größe, der unkonventionellen Form und der originellen Technik ist das Werk einzigartig. Daten der verwendeten Zeitungsabschnitte zeigen, dass es 1890/91 entstanden ist, zu einer Zeit, als die offizielle Kunst das Collagieren noch nicht entdeckt hatte.

Bilder: St. (weiblich), Collageband, um 1890, Inv. Nr. 3417 © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg