Ausstellung im Rahmen der Biennale für aktuelle Fotografie

Wer bist du? Das bist du! / Who Are You? That's You!
Was verraten Portraits (nicht) über die Portraitierten?

09.09.-05.11.2017

kuratiert von Christin Müller

Flyer der Biennale 

Das Portrait ist ein klassisches Einsatzfeld der Fotografie, bei dem Selbst- und Fremdbild zwischen Fotografen und Bildprotagonist ausgehandelt werden. Wie viel lässt sich über die Abbildung des äußeren Erscheinungsbilds über die Identität und Charakter einer Person sagen? Als technisches Medium scheint die Fotografie geeignet zu sein, ein analytisches und objektives Bild des Portraitierten zu erzeugen und wurde in der Psychiatrie ebenso genutzt wie in der Kriminalistik, Anthropologie und Ethnographie, um Menschen zu registrieren und in Typen einzuteilen. Bis heute ist die fotografische bzw. auf Fotografie basierende Aufzeichnung Mittel Personen zu identifizieren. Ausgangspunkt der Ausstellung in der Sammlung Prinzhorn ist ein kleines Konvolut von Patientenfotografien aus der Sammlung und Lehrbücher der Psychologie aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Solchen Fotografien stehen in der Ausstellung Bilder gegenüber, die die Instabilität der fotografischen Beschreibung aufdecken. Mit seinen Bildsequenzen beschreibt Andrzej Steinbach, wie sich bereits mit kleinen Veränderungen von Mimik, Gestik und Kleidung sowie mit Verschiebungen der Kameraperspektive Irritation und Unsicherheit in der Einordnung der portraitierten Person einstellen. Die Deutung der gesellschaftlicher und politischer Zugehörigkeit und die Identität verschwimmt. Wie genau oder ungenau ist eine Fotografie in ihrer Abbildung? Wie kann diese Unschärfe in der Deutung von Fotografen oder Fotografierten genutzt werden?

Künstlerinnen und Künstler u.a.:
Helmar Lerski (*1871 in Straßburg, †1956 in Zürich)
Andrzej Steinbach (*1983 in Czarnkow, Polen, lebt in Berlin)

Bild: Andrzej Steinbach, Ohne Titel, 2015, aus: Figur I, Figur II, Inkjet-Print, 90 × 60 cm, © Andrzej Steinbach, courtesy Andrzej Steinbach und Galerie Conradi

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Kabinettausstellung

Jakob Mohr, ein Opfer von fluoridelektrischen negativen Gedankenwellen

09.09.-05.11.2017

Unsere monografische Kabinettausstellung stellt den Mannheimer Gärtner Jakob Mohr (1884- ?) vor, der seit 1905 mehrfach in der Psychiatrie war. Er glaubte durch Wellen beeinflusst zu sein, die ein Aggressor aus einer Maschine auf ihn lenkte. Deshalb fertigte er sich einen Mantel aus Stanniolpapier. Wie er auf einer Gerichtsszene detailliert darstellt, machte er die Wellen auch für einen Meineid verantwortlich. Diese Zeichnung hat die Prager Künstlerin Eva Kot'átková (*1982) zum Ausgangspunkt ihrer Performance „The Judicial Murder of Jakob Mohr“ (2016) gemacht. Der dabei entstandene Film ist neben weiteren Blättern von Mohr in der Ausstellung zu sehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.